Buecherperlenwiese


„Es ist leicht, ein Werk zu kritisieren. Aber es ist schwer, es zu würdigen“

(Marquis de Vauvenargues)

 

Kurzbeschreibung:

Budo ist ein imaginärer Freund – kein leichter Job, ist er doch ausgerechnet der imaginäre Freund von Max. Und der hat massenhaft Probleme.

Mit den Eltern, in der Schule und  vor allem mit sich selbst. Ein außergewöhnlicher Roman mit einem einzigartigen Erzähler, der uns daran erinnert, was es heißt, ein Freund zu sein. Budo ist der beste Freund, den sich der achtjährige Max vorstellen kann. Eben weil er sich ihn nur vorstellt. Doch eines Tages wird Max nicht länger an ihn glauben und Budo wird aufhören zu existieren. So weit ist es jedoch noch nicht.

Denn Max ist anders als die anderen Jungen: Er mag es nicht, wenn man ihn berührt, er liebt es, Dinge zu ordnen, er schaut Menschen ungern in die Augen. Kein Wunder, dass die Schule ein einziger Spießrutenlauf für ihn ist. Als die Lehrerin Mrs Patterson ein verdächtiges Interesse an Max bekundet, spitzt sich die Situation jedoch zu, so dass Budo eine dramatische Entscheidung treffen muss. Klug, schräg, spannend und oft umwerfend komisch erzählt Matthew Dicks davon,  dass man beileibe nicht echt sein muss, um ein wahrer Freund zu sein.

Matthew Dicks - Der beste Freund, den man sich wünschen kann

 

<Der Himmel ist bloß für Leute, die Gott gemacht hat, und mich hat Gott nicht gemacht. Mich hat Max gemacht.>
Dieser kurze, aber einprägsame Satz stammt von Budo – dem imaginären Freund vom kleinen Max.
Max ist ein ganz besonderer Junge, der Budo zu seinem Schutz und als seinen täglichen Helfer erschaffen hat, und so erzählt auch Budo die Geschichte seines Menschenfreundes, der ihm sein Leben schenkte, der ihn braucht und deswegen an ihn glaubt – doch wenn ihn Max vergisst, wird Budo sterben. Er wird verblassen, wie bereits viele andere imaginäre Freunde vor ihm.

Budo ist das Abbild dessen, was sich der kleine Max vorgestellt hat. Menschlich, mit Armen und Beinen, mit der Fähigkeit, Türen und Fenster zu passieren, alleine aus dem Grund, weil Max es sich vorgestellt hat, dass sein Freund das kann.
Wenn Max schläft, ist Budo wach, denn Max hat sich nicht vorgestellt, dass Budo schlafen muss, vielleicht kann er das auch gar nicht, ausprobiert hat er es bisher noch nicht, denn er ist nie müde. Und so wandert er nachts, wenn Max schläft, durch die Straßen, hört den Menschen an der Tankstelle zu oder besucht andere imaginäre Freunde im Kinderkrankenhaus, denn dort gibt es viele einsame Kinder, die sich einen Kameraden an ihrer Seite erschaffen haben, um nicht alleine zu sein.

Nur Max und die imaginären Freunde der anderen Kinder können Budo sehen und hören.
Und dennoch ist Budo glücklich. Er ist glücklich, an der Seite von Max leben zu dürfen.
Diese Liebe, zwischen dem kleinen Menschen und seinem Freund, wird dem Leser in einer Intensität nahe gebracht, die fesselt, ein permanentes Schmunzeln auf die Wangen zaubert und eine Wärme entstehen lässt, die noch anhält, wenn man das Buch zuschlägt.
Er begleitet ihn in die Schule, hilft ihm, sich zwischen grünen und blauen Socken zu entscheiden, warnt ihn davor, unüberlegt auf die Straße zu rennen, beschützt ihn, wenn er in der Schule auf die Toilette muss und steht schützend vor der Kabinentür.
Max hört auf Budo, fragt ihn nach Rat, vertraut ihm sein Leben an und schafft es durch ihn, mit der Außenwelt zu kommunizieren.
Er ist das Beste, was Max hätte passieren können und genau das, was Max braucht.

„Max lebt auf der Innenseite, und die anderen Kinder leben auf der Außenseite. Das macht ihn so anders. Max hat keine Außenseite.Max besteht komplett aus Innenseite.“, und dadurch ist er angreifbar, verletzlicher als andere Kinder und empfindsamer für Veränderungen jeglicher Art.

Diese Buch ist die kindliche Zeichnung eines autistischen Jungen, der sich mit seiner Phantasie Wege ebnet, auf denen er alleine nicht bestehen könnte.
Max braucht individuelle und einfühlsame Hilfe, einen Gegenüber, der ihn ohne Worte versteht, der von Max gesetzte Grenzen nicht überschreitet und ihn dennoch schrittweise nach vorne führt.
Max konzertiert sich auf die kleinen Dinge, die greifbaren Ebenen seines Lebens, die einer klaren Struktur entsprechen. Übergeordnete Grundzüge versteht er ebenso wenig, wie die Verwendung von Wörtern, die in unterschiedlichen Kontexten andere Bedeutungen haben. Gesagtes kann er nur in der direkt ausgedrückten, wörtlichen Weise nachvollziehen.
„Wegen all der kleinen Dinge, die ihm in die Quere kommen, kann er die großen Dinge nicht sehen.“

Dieses Buch ist in vielerlei Hinsicht ein reines Déjà-vu, und das ist nicht nur dem geschichtlichen Inhalt zu verdanken, sondern auch dem Schreibstil und der Charakterisierung der Personen.
Es ist ein Buch aus der Sicht der Kinder, denn auch wenn Budo für einen imaginären Freund mit einem Alter von 6 Jahren schon erstaunlich alt geworden ist, kann er nicht viel mehr als Max wissen, denn Max hat ihn erschaffen und so weiß er nur das, was Max auch weiß, es sei denn, er erlebt andere Dinge als Max und das kommt nicht allzu oft vor.
Aber auch wenn das Buch der Sicht der Kinder entspricht, ist es ein Buch für Erwachsene.
Kinderaugen erklären einem die Welt, in einer erstaunlich nachhaltigen Sprache und Wortwahl.
In diesem Buch ist kein Platz für kindliche Streiche, dumme Witze und Naivität. Im Gegenteil.
Dieses Buch ist erfüllt von verständiger Offenheit und Reinheit der Gedanken.
Kinder konzentrieren sich in ernsten Situationen auf das Wesentliche; sind dadurch freier als Erwachsene, kennen viele Grenzen des Lebens nicht, erkennen sie nicht als notwendig, sondern als lästig und unsinnig; können sich durch ihre innere Unberührtheit für Interpretationen öffnen, die den Erwachsenen verloren gegangen sind.
Matthew Dicks gelingt es, diese Weltanschauung unserer Kleinsten in einer einzigartig humorvollen und liebenswerten Art und Weise zu erläutern. Er öffnet erneut die Augen der Erwachsenen für ihre längst vergangene Kindheit.
Und gleichzeitig thematisiert er einen Konflikt von innigster Freundschaft und Liebe und der damit einhergehenden Sorge um den Verlust der eigenen Existenz. Budo möchte alles für Max tun, er lebt wegen und für ihm. Dieser kleine Kerl ist das einzige Wesen, welches Budo glücklich machen kann.
Doch kann Budo den schwersten Weg eines imaginären Freundes einschlagen? Max helfen zu leben, eigenständig und groß zu werden...wodurch er doch selbst sterben wird?

Kurzbeschreibung:

New York, 1909. Aus einem transatlantischen Frachter steigt eine junge Frau mit ihrem Sohn Natale. Sie kommen aus dem tiefsten Süden Italiens - mit dem Traum von einem besseren Leben in Amerika. Doch in der von Armut, Elend und Kriminalität gezeichneten Lower East Side gelten die gnadenlosen Gesetze der Gangs. Nur wer über ausreichend Robustheit und Durchsetzungskraft verfügt, kann sich hier behaupten. So wie der junge Natale, dem überdies ein besonderes Charisma zu eigen ist, mit dem er die Menschen zu verzaubern vermag.

Luca di Fulvio - Der Junge, der Träume schenkte

 

<Es ist verboten, Zeit zu vergeuden, die von Gott bemessen und von Menschen bezahlt wird.>

Dies ist eins der Zitate, dir mir noch lange nach der Lektüre im Kopf geblieben sind.
Es gliedert sich nahtlos in die Atmosphäre und die Tragkraft des Buches ein.
Ein Buch das mir in dieser Intensität seit Langem nicht mehr in die Hände gefallen ist.
Wie die Kurzbeschreibung schon vermuten lässt, ist es keine einfache Geschichte.
Zu Beginn des 20. Jahrhundert, kurz nach Beendigung des 1.Weltkriegs schlägt sich der kleine Christmas durch die amerikanische Nation. Geboren wurde er mit dem italienischen Namen Natale, welches wortwörtlich übersetzt, Christmas bedeutet.
Stolz hatte damals die junge Mutter Cetta die Brust in die Höhe gestreckt, als die Beamten ihm diesen Namen bei der Flüchtlingssortierung gaben.
Ein amerikanischer Name!
Christmas soll ein schönes, ein eines Amerikaner würdiges Leben führen können.
Schon als er noch ganz klein war, lernte der Junge den Satz: Ich bin Amerikaner!

Doch letztendlich war er stark genug seine Identität selber zu bestimmen, selber festzulegen wer er war. Frei von der Nation in der er aufwuchs, die ihm Chancen aber auch Prügel verpasste.
Ein geborener Italiener mit einem Niggernamen und der Sohn einer Hure, erzeugt durch eine Vergewaltigung die Mutter und Sohn ihrem Schicksal entgegen trug.
Doch die kleine Familie hatte stets ihre Schutzengel bei sich.
Sie liebten sich und waren bereit fremden Menschen Liebe und Vertrauen zu schenken, die es nicht verdienten. Und solche unerwarteten, ungerechtfertigten Geschenke vermögen es, Menschen aufzutauen und losgelöst von Geld, Status, Macht und Anzahl der Pistolen ihren Weg mit denen zu Pflastern die sie bei sich haben wollen. In jeder Generation, in jeder Stadt und jeder dreckigen Gasse, gibt es solche Rohdiamanten wie Christmas Luminita.

Jedem den er begegnete verpasste er ungewollt und später bedacht eingesetzt eine Wunder der Hoffnung und des menschengerechten Denkens. Ein einfacher Straßenjunge der hoffte mit guten Gaben und Köpfchen etwas Geld zu machen. So etwas war neu, undenkbar in den Straßen der Gewalt und der Gruppenkonflikte.
Ohne je eine Waffe in der Hand gehalten zu haben, ohne jemanden verletzt zu haben, erreichte der Junge das ganz New York ihn kannte. Und er selber, hatte dabei nur zwei große Ziele!
Seine Mutter sollte ihr Leben in Glück beenden und er strebte stets seiner großen Liebe Ruth entgegen. Eine Jüdin aus reichem Hause die er in der größten Not traf und die ihn mit ihrer mädchenhaften Offenheit in ihre Arme und ihr Herz schloss.....nach vielen Jahren der inneren Flucht, der Rassentrennung und der herrschenden Gefälle dieser Zeit.

Kurzbeschreibung:
 
Britischer Humor par excellence: sehr skurril, höchst originell

Oskar ist Komponist moderner Stücke, wie etwa seinen Variationen über Trambahnfahrpläne, und mit einer amerikanischen Kunsthändlerin verheiratet. Er lebt in einer osteuropäischen Hauptstadt mit seinen beiden Katzen, die er nach russischen Komponisten benannt hat. Aber eigentlich geht es in diesem Buch nicht um Oskar, denn der ist gerade in Kalifornien, um sich scheiden zu lassen. Deshalb beauftragt er einen alten Freund aus Studienzeiten, in seiner Abwesenheit auf die exquisit eingerichtete Wohnung aufzupassen, auf dass seine Katzen und besonders der kostbare Holzboden keinen Schaden nehmen. Aber natürlich geht schief, was schiefgehen kann, eine Katastrophe reiht sich an die nächste, und trotzdem geht die Geschichte dann am Ende gut aus
.
 

 

Will Wiles - Die nachhaltige Pflege von Holzböden

 

Lakonisch - perfektes Zusammespiel von Ordnung und Chaos

<Das ist außergewöhnlich im wahrsten Sinne des Wortes: außerhalb des Gewöhnlichem>, so lautet ein Satz auf der ersten Seite dieses Buches.
Ein Satz der schon hier die Eigenarten und die wahrhaft existente Persönlichkeit des Buches widerspiegelt. Als begeisterte Leserin und langjährige Buchrezensentin sind mir schon viele Autoren begegnet, die mit einem lakonisch anmutenden und dennoch eleganten Stil versucht haben, die Protagonisten ihrer Geschichte zum Leben zu erwecken und die Leser zu fesseln. Viele von Ihnen haben es nicht geschafft, sei es daran gelegen, dass der Schreibstil mit den vorübergehenden Seiten abstumpfte oder die Liebe des Autors in sein eigenes Buch spürbar fehlte.
Hier ergibt sich die Frage, welche Voraussetzungen ein Autor mit sich bringen muss, um eine Geschichte samt Lebendigkeit und Einprägsamkeit in die Realität zu transferieren.
Die am einfachsten wirkende Möglichkeit, dies aus meiner Sicht zu erläutern, ist es, das mit diesem Buch und Will Wiles zu versuchen.

Es handelt sich um das erste Buch des in London lebenden Journalisten. Es wird nicht das letzte Buch sein, denn aus jeder Seite des Buches spricht die Leidenschaft für die Protagonisten.
Wir lernen Oskar kennen, ein penibler und sehr eigenwilliger Mensch. Er ist still und bedacht, stets dem Perfektionismus nahe und dennoch im sozialen Leben erschreckend konträr auftretend. Durch seine offensive Ehrlichkeit, sein einfach erscheinendes Wesen, immer sagend was er denkt, wirkt er in der Grundstruktur seiner Selbst äußerst komplex und dennoch liebenswert hilflos. Er liebt seine Wohnung, verehrt seinen teuren, natürlich behandelten Holzboden und lebt seinen künstlerischen Drang in seinem Beruf als begabter Musiker aus.
Alleine die Erschaffung dieses Charakters, mit allen seinen Eigenarten und Makeln, bedarf des gewissen Gespürs für literarischen Ausdruck, den ich in der heutigen Bücherlandschaft oftmals vermisse. Oskar ist keinesfalls einfach und seine Persönlichkeitszüge schreien nach Missachtung und einer Standpauke – mein Boden – ruf mich an wenn etwas passiert – informiere mich – passe auf – und dennoch eine solch liebenswert gestaltete Person, das man sie als unvoreingenommener Leser einfach nur lieben muss.

So viel zum beispielhaften Auszug der Erstellung eines der Charaktere in diesem Buch. Dies kann an dieser Stelle durchaus genügen, denn eine weitere Kunst, die dieser Autor definitiv besitzt, ist es, jedem seiner Charaktere die gleiche Aufmerksamkeit zu schenken. Nur so kann ein Roman plastisch wirken, kann sich in der Vorstellung des Lesers ausbreiten und Form annehmen. Als Psychologin weiß ich nur zu gut, welch einen komplexen Eindruck ein Mensch hinterlassen kann, der mit einem selbst nur ein Wort gewechselt hat, oder bei dem es lediglich zu einer Beobachtung am Tresen kam. Hierbei kommt es auf realistische Gestaltung an, auf Arbeit mit Gedanken und Rückgriffe auf die Vergangenheit. Und genau darauf scheint das Buch zu basieren. Die Figuren leben, sind als lebendige Wesen im Geiste des Autor entstanden und konnten durch einen raffiniert – frechen, aber dennoch äußerst authentischen literarischen Stil, weitervermittelt werden.

So wie sich die Protagonisten entwickeln, entwickelt sich auch diese Geschichte.
Alle Stränge fließen zusammen. Die Persönlichkeiten der Darsteller verflechten sich in den Geschehnissen dieses Buches. Was war zuerst vorhanden? Die grobe Struktur der Geschichte? Einzelne Vorstellungen der handelnden Personen? Nicht zu beurteilen. Dieses Buch ist ein kleiner, stetig wachsender und sich verzweigender Fluss.
Nun mögen Sie sich die Frage nach dem eigentlichen Inhalt des Buches stellen. Vermutlich auch zurecht. Doch wenn die Fähigkeiten des Autors in solch grandioser Weise umgesetzt werden können, die Figuren lebendig und spritzig vor einem stehen, man den kecken Gesichtsausdruck der Personen vor einem sieht...ist die Geschichte in der sie sich bewegen zwar nicht irrelevant, aber dennoch zu einem Großteil hinten an stehend.

Diese Buch dreht sich um Missgeschicke, kleine und große Fehler eines Charakters, der in die geordnete Welt des beschriebenen Oskars einfach nicht reinpassen mag. Und doch muss es so sein, die natürliche Anziehung von Menschen, die sich in ihren Eigenschaften ergänzen. Die voraussehbaren Probleme, die sich doch mit Humor und Freundschaft zu einem Band vereinigen, das stärker ist, als es in Worte zu fassen möglich ist.

Sind Sie ein Freund humorvoller Geschichten, wie sie das Leben schreibt?
Haben Sie genug von Romanen, die förmlich nach Massenproduktion riechen?
Sind Sie in der Wahl Ihrer Bücher auf der Suche nach Buchperlen, die Ansichten verändern können?

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